Die Geschichte der Spur N

Rheingold S3/6 - 3673

Die Modelleisenbahnanlagen lassen sich in mehrere Kategorien unterteilen. Vom Hausgebrauch angefangen über die Vereine und privaten Hobbygemeinschaften bis hin zu Museen und kommerziellen Modellbahnanlagen. Wesentliche Unterschiede bestehen aber im Maßstab der Nachbildungen und in der Spurbreite der Gleise. Eine der bekanntesten Modelleisenbahngrößen ist die Spur N, auf welche wir nachfolgend genauer eingehen wollen.

Der Erfinder der Spur N

Die Spur N, welche den Maßstab 1zu160 ansetzt, tauchte erstmals im Jahre 1960 auf. Die ersten Modelle wurden von der Nürnberger Firma Fleischmann geschaffen. Die Züge fuhren damals auf einem Gleis mit einer Breite von acht Millimetern. Die originale Anpassung an den Maßstab 1zu160 erfolgte ein Jahr später. Seitdem verkehren die Lokomotiven und Wagen auf neun Millimeter breiten Schienen.

Die Epoche seit dem Zweiten Weltkrieg hat gewaltige Veränderungen der Modelleisenbahnen mit sich gebracht. Die Entwicklungen der Hersteller standen alle unter dem Motto es geht auch noch kleiner. In den sechziger Jahren war die Spur N tatsächlich die kleinste mit dem größten Maßstab. Später zeigte der deutsche Hersteller Märklin mit der Spur Z, dass es noch kleiner geht. Die Hoffnung, das Z für ewig als kleinstes Modell bleiben sollte, hielt viele Jahre. Erst 2008 gelang es der japanischen Firma Eishindo, eine noch kleine Modelleisenbahn zu entwickeln. Der Maßstab von 1:435 sagt einiges über die Größenverhältnisse aus, wenn man bedenkt, dass die Spur N mit ihren 1zu160 schon sehr klein daher kommt.

Die Tradition reicht eigentlich weiter zurück

Wenn man es ganz genau nimmt, kann man die Geschichte der berühmten Spur noch weiter zurückverfolgen. Viele Jahre wurde an ähnlichen Maßstäben und Gleisbreiten gebastelt und entwickelt. Die Gebrüder Bing, die Väter der Marke Trix, brachten bereits im Jahre 1912 die ersten Modelle mit einer Spurbreite von neun Millimetern auf den Markt. Als der Engländer A. R. Wackley im Jahre 1927 eine elektrische Modelleisenbahn auf 8,5 mm breiten Gleisen vorstellte, blieb der Durchbruch aber noch aus. Aus seinen Ideen entwickelte sich später die Baugröße „2 mm Scale“. Die 1948 auf der Messe in Hannover vorgestellte Kersting Bahn bewegte sich ebenfalls auf einem acht Millimeter breiten Schienennetz, schaffte es aber nie in die Serienproduktion.

Ganz anders in den bereits angesprochenen 60iger Jahren des vergangenen Jahrhundert. Der Maßstab 1zu160 wird im Jahre 1964 international unter dem Kürzel N genormt. Weshalb N? Der Buchstabe steht für das Wort Neun, welches in vielen Sprachen mit N beginnt. Die Spurbreite wird auf neun Millimeter festgelegt. Gleichzeitig wurde die Fahrspannung auf 12 Volt in Verbindung mit dem 2-Leiter-Gleichstromsystem fixiert. Als Standard wurde des Weiteren die Klauenkupplung für die Spur N definiert. Noch im gleichen Jahr bringt Trix eine T3 Lokomotive unter dem Namen Minitrix – Electric auf den Markt, welche akkurat den Maßstab 1zu160 trägt. Was folgte ist ein unaufhörlicher Erfolgsweg, welcher die Spur N zu einem echten Markenzeichen der Modelleisenbahnszene gemacht hat.

Bekanntheit schließt wirtschaftliches Scheitern nicht aus

Trotz der ständigen Weiterentwicklung und immer neueren und schöneren Modellen, welche bei den Sammlern riesigen Absatz finden, ist der Weg der Spur N auch geprägt von wirtschaftlichen Misserfolgen. Nachdem bereits in den 80iger Jahren einige bekannte Unternehmen die Produktion eingestellt hatten, folgte 1995 und 1996 der Konkurs von zwei Marktführern der Branche. Zuerst verkündete die Firma Arnold die Zahlungsunfähigkeit, ein Jahr später folgte der Nürnberger Nachbar Trix. Arnold wurde von der italienischen Rivarossi-Gruppe übernommen. Der Markennahme sowie die Produktionsstätte in Mühlhausen blieben jedoch bestehen. Zusätzlich nahm Arnold einige alte Modelle von Rivarossi ins Produktportfolio auf. Trix wurde vom Marktführer Märklin geschluckt. Bis heute gehört das fränkische Unternehmen zur Märklin Gruppe.

Doch auch der deutsche Marktführer selbst blieb von Umstrukturierungen und geschäftlichen Schwierigkeiten nicht verschont. Im Jahre 2006 wird Märklin vom britischen Finanzinvestor Kingsbridge Capital übernommen.

Die wesentlichsten Investoren im Bereich der Modelleisenbahn sind aber die Firmen Hornby aus Großbritannien, welche europaweit auf einen Einkaufszug gegangen ist und die Franz Josef Haslberger Holding. Beide Unternehmen dominieren heute den Modelleisenbahnmarkt in Europa. Die Spur N und der Maßstab 1zu160 gehören dabei weiterhin zum Sortiment und sind ein wichtiger Umsatzbringer.

Die Vorteile der Spurgröße

Es gibt verschiedene Maßstäbe und Spurgrößen. Sicherlich fragen sich viele Laien, wo liegen eigentlich die Vorteile der Spur N und des Maßstabes 1zu160. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle die entscheidenden Pluspunkte näher bringen.

  • Im Verhältnis zur bekannten H0 Linie ist die Spur N um fast die Hälfe kleiner. Ein Zug mit sechs Wagen hat beispielsweise eine Länge von 110 cm. Die gleiche Anzahl an Waggons würde auf einer H0 Eisenbahn bereits 200 cm in Anspruch nehmen. Die N-Linie ermöglicht somit auch auf kleinsten Modelleisenbahnanlagen, ansprechende Schienennetze und Landschaften zu gestalten.
  • Im Gegensatz zu anderen Spurgrößen ist N immer noch eine der kostengünstigsten, obwohl der Unterschied in den letzten Jahren etwas geschmolzen ist.
  • Die Detailgenauigkeit im Maßstab 1zu160 ist nahezu perfekt. Selbst kleinste Beschriftungen der Waggons lassen sich bestens wiedergeben.
  • Die Modelle aller Hersteller sind untereinander kompatibel und können auf allen Modellbahnanlagen genutzt werden.
  • Die Laufeigenschaften lassen auf sauberen Gleisen kaum Wünsche offen.

Die Nachteile der N-Serie

Als Nachteil kann eigentlich nur der etwas begrenzte Produktumfang im Vergleich zur H0-Linie gesehen werden. Das Produktangebot für Modellbahnanlagen der Größe H0 ist noch immer weitaus größer. Im Vergleich zu den anderen Spurgrößen kann sich die N-Serie aber durchaus sehen lassen.

Laufen die noch kleineren Spuren der N-Linie den Rang ab?

Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Spur N und der Maßstab 1zu160 ihre Wichtigkeit verlieren. Der Weg „Klein, Kleiner und noch Kleiner“ wird sich nicht unaufhörlich fortsetzen. Bereits 1942/43 wurde auf der Stockholmer Modellschau eine Miniatur Eisenbahn vorgestellt, welche auf 5 mm Spurbreite lief. Durchgesetzt haben sich die ganz kleinen Varianten bis heute jedoch nicht. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an welchem die detailgetreue Umsetzung der Originale nicht mehr möglich ist. Die Spur N wird daher auch weiterhin ihren festen Platz am Markt haben.

Viele Grüße
Detlef Brinkmann

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