Die Modellbahnen von Piko in Sonneberg

Piko

Liebhaber der detailgetreuen Modelleisenbahn geraten ins Schwärmen, wenn sie sich über Piko unterhalten, den ehemaligen Volksbetrieb der DDR, der auf die Herstellung von elektromechanischem Spielzeug, speziell auf die Herstellung von Modelleisenbahnen und dem passenden Zubehör spezialisiert war. Auch heute sind Modelleisenbahnanlagen des Unternehmens aus Sonneberg in Thüringen gefragt. Das Unternehmen präsentiert sich regelmäßig auf den großen Messen wie beispielsweise der Kölner oder Leipziger Messe und ist auch auf der Spielwarenmesse in Nürnberg präsent, um intensive Kontakte zu deutschen und ausländischen Fachhändlern zu knüpfen.

Erste Modellbahnanlagen in der sowjetischen Besatzungszone

Noch bevor die Deutsche Demokratische Republik gegründet wurde, beschloss die sowjetische Militäradministration in Deutschland, die Produktion einer elektrischen Modelleisenbahn, da in der sowjetischen Besatzungszone keine Teile für Modelleisenbahnanlagen mit der Reichsmark gekauft werden konnten. Die erste Produktionsstätte für Modellbahnanlagen befand sich in Chemnitz, in dem vormaligen Siemens und Halske-Werk, das bis nach dem Zweiten Weltkrieg, Messinstrumente hergestellt hatte. 1949 wurden die ersten zwei Modelleisenbahnen mit der Baugröße HO unter dem Namen Pico Express auf der Herbstmesse in Leipzig vorgestellt. Die Zugpackungen enthielten die Dampflokomotive mit Schlepptender ME 101 und die Elektromotive ME 102. Weshalb der Name Piko damals ein „c“ statt ein „k“ enthielt, ist nicht bekannt.

Wachsender Bedarf an Modelleisenbahnen

1952 wurde die Produktion der Modellbahnanlagen nach Sonneberg in Thüringen verlagert, weil der Standort in Chemnitz den steigenden Bedarf an Modelleisenbahnanlagen nicht mehr decken konnte. In Sonneberg übernahm der volkseigene Betrieb „Elektro Installation Oberlind (EIO)“, der bislang Staubsauger produzierte, die Produktion der Modelleisenbahn, die fortan den Handelsnamen „Piko“ trug, eine Abkürzung für Pionier Konstruktion. Ab 1959 wurde die Entwicklung von Modellbahnen der Spurgröße HO in eine Außenstelle ausgegliedert, die sich in Radeburg befand.

Umbenennung und endgültige Gründung des VEB Unternehmens in Sonneberg

Der volkseigene Betrieb wurde 1962 dem VEB Feinmechanik Sonneberg angeschlossen und trug fortan nicht mehr den Namen EIO, sondern wurde in Piko Sonneberg umbenannt. Schon 1963 wurde das EIO-Werk in Radeburg in das Unternehmen eingegliedert. Dort wurden neue Modelle konstruiert und Wagen sowie Triebfahrzeuge eigenständig produziert. Ab 1964 wurden sämtliche Konstruktion- und Entwicklungsarbeiten der Spurgröße HO vollständig Nach Radeburg ausgegliedert. Der Betrieb in Sonneberg entwickelte nur noch Modelleisenbahnanlagen in der Spurgröße N. Schon 1965 wurde der Betrieb in Radeburg wieder eingestellt und die gesamte Entwicklung sowie die gesamte Produktion nach Sonneberg verlegt.

Die Übernahme anderer Modelleisenbahn-Hersteller in der DDR

Nicht nur in Sonneberg wurden Modellbahnanlagen hergestellt. Die volkseigenen Betriebe “ Modellbahnzubehör und Modellbahn Oybin produzierten die Modelleisenbahn und passendes Zubehör in der Spurgröße HO. Diese beiden Unternehmen wurden dem Sonneberger Unternehmen eingegliedert, das 1974 in das Kombinat Piko Sonneberg umgewandelt wurde, das neben Modelleisenbahnanlagen nun auch elektromechanische Spielwaren herstellte. Der Betrieb wurde im Lauf der Zeit immer weiter ausgebaut und galt schon bald als Leit Betrieb für elektromechanisches und mechanisches Spielzeug.

Ein neues Kombinat

1981 wurde das Kombinat Sonneberg aufgelöst, als Kombinat Spielwaren Sonneberg neu gegründet und zum Erzeugnisgruppenleitbetrieb für Modellbahnanlagen erklärt. Es folgte die Schützung des Handelsnamens und der Firmenausbau auf 15 Betriebsteile, die an die 1000 Menschen beschäftigten. Mittlerweile wurden zahlreiche Modelleisenbahnprodukte in den Westen exportiert. Das Versandhaus Quelle beispielsweise bezog seine Modelleisenbahnanlagen überwiegend von Piko.

Die Wiedervereinigung und Privatisierung

Mit der Wiedervereinigung 1990 drohte dem Modelleisenbahn-Betrieb in Sonneberg das Aus. Das Unternehmen gehörte zu den zahlreichen Betrieben, die von der Treuhandanstalt privatisiert und abgewickelt wurden. Der private Investor Dr. René F. Wilfer kaufte den Betrieb und veranlasste eine Sortimentsüberarbeitung sowie eine technische Modernisierung der Produktion. Das Fahrzeugprogramm der Modelleisenbahnanlagen in der Spurgröße HO wurde stetig erweitert. Dabei wurde konsequent auf die Herstellung von Modellen gesetzt, die von anderen Herstellern nicht mehr vertrieben wurden. Die Mitarbeiterzahl wurde um rund 90 % reduziert.
Seit 1992 trägt das Unternehmen den Namen „Piko Spielwaren GmbH“.

Die aktuelle Produktpalette

Noch vor der Wende wurde das alte Modelleisenbahn N-Sortiment komplett eingestellt. Ausnahme war ein doppelstöckiger Gliederzug, der über Minitrix vertrieben wurde. Seit 2010 werden wieder Spur N Modellbahnanlagen nach französischem und deutschem Vorbild gefertigt. Dies erfolgte in Kooperation mit einem französischen Modellbahnanlagen-Hersteller. Das wohl größte Sortiment besteht aus Modelleisenbahnen der Spurgröße HO. Dazu zählen zahlreiche Modelle, die nach Vorbildern der alten Deutschen Reichsbahn, der DDR-Bahn und der Deutschen Bahn AG gefertigt werden. Hierzu zählt die DR-Baureihe E 93 und die DB-Baureihe 82. Die Produktpalette wurde um die DB-Baureihe 218,101,189,185, sowie um den ÖBB-Loktyp Siemens Taurus erweitert. 2005 begann die Produktion von Modellbahnanlagen der Spurgröße TT. Der Einstieg in den beliebten TT-Markt erfolgte mit der DB-Baureihe 151, der Herkules und dem ICE 3.

Vollanbieter von Modelleisenbahnen der Spurgröße G

Mit dem Taurus in der Spurgröße G entwickelte Piko im Jahr 2006 erstmalig ein Triebfahrzeug in Gartenbahngröße, das sich erfolgreich im Handel etablieren konnte. Fortan wurde die Entwicklung für Modelleisenbahnanlagen der Spurgröße G ständig vorangetrieben und das Sortiment stetig ausgebaut. Mittlerweile ist das Unternehmen in Sonneberg zu einem Vollanbieter für Loks, Waggons, Gebäudemodellen und Gleisen für die Spur G geworden. 2010 wurde ein Digital-System für Gartenbahnen entwickelt und 2011 kam die Baureihe DB 194 (Deutsches Krokodil) auf den Markt.

Viele Grüße
Detlef Brinkmann

Bildquellenangabe: Uwe Schwarz / pixelio.de

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  1. Harald
    2 Jahren ago

    Hallo, einen Überblick über das Piko – DDR-Sortiment ist hier zu finden: http://www.piko-n-bahn.de

    mfg

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